MASHINANI LEAGUE
Julius Tamree und die Mashinani League sind Beispiele dafür, warum Korogocho auch der „Slum der Wunder“ bezeichnet wird. Der junge Julius war noch in der High School, mit 15 oder 16 Jahren, als er seine Idee hatte. Im Gespräch mit SlumChangers sagte er einmal: „Warum ich die Liga gründen wollte? Ganz einfach. Ich wollte einfach meine eigene Fußball-Liga haben.“
Mit 18 gründete er sie – gemeinsam mit ein paar Freunden, die auch im Slum leben. Mashinani ist Swahili und bedeutet Graswurzel oder grassroots. Stattdessen könnte man auch soziales Start-up sagen. „Es soll von unten wachsen und dann immer größer und stärker werden“, sagt Julius Tamree. Inzwischen spielen nach nur zwei Jahren 14 Mannschaften in der Liga. Vereine aus Korogocho und angrenzenden Slums spielen um Titel, Meisterschaft und Pokal. Inzwischen ist Julius 20. Erst 20. Und sein Start-up entwickelt sich immer weiter.
Ohne jede Hilfe einfach angefangen
Es gibt viele internationale Hilfsorganisationen (sogenannte NGOs), die oft ihre Ideen entwickeln und sie dann bspw. in den Slum „mitbringen“. Dann wird diskutiert, entworfen und verworfen. Und wenn beide Seiten auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, wird es einfach nicht gemacht. Anders Julius und seine Helfer. Er hat einfach angefangen, ohne jede Hilfe von außen. Weil er überzeugt von seiner Idee war. Und weil er Freunde hatten, die ihn dabei unterstützten.
Es ist viel Arbeit. Bezahlt wird er dafür nicht. Selbst zu spielen, dafür hat er keine Zeit mehr. Zu viel ist zu organisieren, managen und zu planen. Trotzdem ist er auch noch Coach bei der Fußball-„Sparte“ von TEDS COMMUNITY HUB. Die Zeit nimmt er sich: „It’s a community thing“, sagt er und strahlt. Das ist das, was alle in Korogocho sich wünschen: Dass die Community, ihre „Hood“, sich verändert. Und natürlich so, dass es besser wird. So etwa, wie es auch in Deutschland Eltern ihren Kindern gesagt haben, nach dem Krieg: „Ihr sollt es einmal besser haben als wir!“
Meisterschaft, Pokal, Gala
Die Vereine haben Namen, die inzwischen jeder kennt: Unbeaten FC, Wakulima City oder BUFU FC. Sie und die anderen spielen nicht nur einfach Fußball, um zu kicken. Sie wollen gewinnen. Und zu gewinnen gibt es einiges: Einen eigenen Mashinani Liga-Pokal, die Meisterschaft natürlich und jede Menge anderer Auszeichnungen. Der „Most Valuable Player“ wurde schon gewählt oder der „Most Promising Player“ und so weiter.
Für Julius und die anderen sind das keine Spielchen. Sie machen es wie die Großen. Damit sich die Kleinen wie die Großen fühlen können. „Wer als der wertvollste Spieler der Mashinani League gewählt wird, wächst beim nächsten Spiel über sich hinaus“, sagt er. Schließlich wird der Gewinner nicht bestimmt, sondern von allen im Slum gewählt. Online natürlich, über Instagram, TikTok oder Facebook. Auch das ist Veränderung, Change. Dass sich die Kinder und Jugendlichen ernst genommen fühlen und gefeiert werden.
Vorbild Alphonce Omija
Einer, der das vielleicht besser als alle anderen versteht, ist Alphonce Omija, der Junge aus dem Slum, der es „geschafft“ hat. Er ist 23 und im Slum aufgewachsen, in Korogocho. Hier kennen ihn alle – und verehren ihn. Inzwischen spielt er im Ausland, bei Etoile Sportive du Sahel in Tunesien. Er wird auf einen Marktwert von 300.000 Euro geschätzt, höher als die meisten in seinem Team. Nicht nur das. Alphonce Omija spielt sogar in der Nationalmannschaft Kenias. Inzwischen (Stand April 2026) kommt er auf 12 Spiele und ein Tor. Er ist ein Vorbild für Jungs und Mädels, die in Korogocho Fußball spielen – in der Mashinani League zum Beispiel. Irgendwie ist er ein Fußball-Gott für sie.
TEDS COMMUNITY HUB
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